(Arbeitstitel)
Das Dissertationsprojekt untersucht den bislang unzureichend erforschten Zusammenhang zwischen Briefkultur und Essayismus seit dem 18. Jahrhundert aus diachroner Perspektive. Anhand ausgewählter Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum geht es der Frage nach, warum essayistische Schreibweisen bis in die Zeit um 1900 häufig in der Form des fingierten Briefes oder der fingierten Brieffolge auftreten. Die Arbeit blickt somit von der sogenannten „Hochphase des Essays“ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dessen Vorgeschichte zurück, in der der Brief als zentrales Medium der Lebenswelt auch einen bedeutenden Platz in der literarischen Publizistik einnahm. Die Begriffe Rhetorik, Kritik und Politik bilden die drei Leitperspektiven für die Untersuchung. Sie ergeben sich aus der These, dass die Texte ihr spezifisches Profil durch eine bestimmte Form der Rede gewinnen, kritisch in öffentliche Debatten eingreifen und auf politische Veränderungen reagieren.

